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Weniger Grübeln, mehr Präsenz: So gelingt Achtsamkeit im Alltag

Weniger Grübeln, mehr Präsenz: Grübeln fühlt sich manchmal an wie ein Raum, aus dem man die Tür nicht findet. Ein Gedanke taucht auf, dann noch einer, dann ein alter Satz, eine Sorge, eine Erinnerung, eine Befürchtung. Plötzlich bist du nicht mehr wirklich hier, sondern irgendwo zwischen gestern, morgen und all dem, was vielleicht passieren könnte.

Vielleicht kennst du das: Du willst eigentlich schlafen, aber dein Kopf spielt ein Gespräch noch einmal durch. Du sitzt beim Essen, aber innerlich überlegst du, was du falsch gemacht haben könntest. Du bist mit jemandem zusammen, aber ein Teil von dir ist weit weg. Oder du möchtest dich auf eine Aufgabe konzentrieren, doch dein Kopf fragt ununterbrochen: „Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn ich etwas vergessen habe? Was, wenn andere schlecht über mich denken?“

Grübeln wirkt oft so, als würde es helfen. Schließlich denkst du ja nach. Du suchst nach Lösungen, Sicherheit, Kontrolle oder Erklärungen. Doch häufig passiert das Gegenteil: Je länger du grübelst, desto unklarer wird alles. Gedanken drehen sich im Kreis. Sorgen werden größer. Der Körper spannt sich an. Und der jetzige Moment rutscht dir durch die Finger.

Achtsamkeit kann dir helfen, aus diesem Kreisen auszusteigen.

Nicht, indem du Gedanken verbietest.
Nicht, indem du dich zwingst, positiv zu denken.
Nicht, indem du plötzlich immer ruhig und klar sein musst.

Sondern indem du lernst, zu bemerken: „Ich grüble gerade.“ Und dann sanft zurückzukehren. Zum Atem. Zum Körper. Zu deinen Sinnen. Zu dem, was jetzt wirklich da ist.

Mehr Präsenz bedeutet nicht, dass du nie wieder nachdenkst. Denken ist wichtig. Planen auch. Reflektieren ebenfalls. Aber Grübeln ist etwas anderes. Es zieht dich aus dem Leben heraus, ohne dich wirklich weiterzubringen.

In diesem Artikel erfährst du, wie du Grübeln achtsamer erkennst, wie du mehr Präsenz im Alltag entwickelst und welche einfachen Übungen dir helfen, wieder im Moment anzukommen.

Was Grübeln von sinnvollem Nachdenken unterscheidet

Nicht jeder Gedanke ist Grübeln. Das ist wichtig. Dein Kopf darf denken. Du darfst planen, reflektieren, Entscheidungen abwägen und aus Erfahrungen lernen. Sinnvolles Nachdenken führt meist irgendwann zu Klarheit oder zu einem nächsten Schritt.

Grübeln dagegen bleibt oft in einer Schleife.

Du denkst über dasselbe Thema immer wieder nach, aber kommst nicht wirklich weiter. Du suchst Sicherheit, findest aber nur neue Fragen. Du wiederholst alte Szenen, ohne sie verändern zu können. Du malst mögliche Zukunftsszenarien aus, ohne konkrete Handlung daraus abzuleiten.

Eine hilfreiche Frage lautet:

„Bringt mich dieser Gedanke zu einem nächsten Schritt – oder drehe ich mich im Kreis?“

Wenn du nachdenkst und danach weißt: „Ich schreibe morgen diese E-Mail“ oder „Ich spreche die Person an“ oder „Ich brauche mehr Informationen“, dann war das Denken wahrscheinlich hilfreich.

Wenn du aber nach zwanzig Minuten erschöpfter, ängstlicher oder verwirrter bist als vorher, war es vermutlich Grübeln.

Achtsamkeit beginnt damit, diesen Unterschied zu bemerken. Nicht streng. Nicht vorwurfsvoll. Einfach ehrlich.

Warum Grübeln so verführerisch ist

Grübeln hat oft eine gute Absicht. Dein Kopf versucht, dich zu schützen. Er möchte Fehler vermeiden, unangenehme Gefühle verhindern, Kontrolle herstellen oder endlich verstehen, warum etwas passiert ist.

Das Problem: Grübeln verspricht Sicherheit, liefert aber selten echte Ruhe.

Es sagt:

„Denk noch ein bisschen länger, dann findest du die Lösung.“

„Analysiere das Gespräch noch einmal, dann weißt du, was gemeint war.“

„Stell dir alle Möglichkeiten vor, dann bist du vorbereitet.“

„Wenn du genug darüber nachdenkst, kannst du Schmerz vermeiden.“

Doch meist entsteht dadurch keine Sicherheit, sondern mehr innere Unruhe. Denn es gibt im Leben viele Dinge, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen. Was andere denken. Wie etwas genau ausgeht. Ob du immer richtig reagierst. Ob du nie verletzt wirst. Ob alles planbar bleibt.

Achtsamkeit hilft dir, diese verführerische Schleife zu erkennen.

Du darfst deinem Kopf danken, dass er dich schützen möchte. Und gleichzeitig sagen:

„Für jetzt ist genug gedacht.“

Grübeln zieht dich aus dem Körper

Wenn du grübelst, bist du meist stark im Kopf. Du analysierst, bewertest, erinnerst, befürchtest. Der Körper wird dabei oft kaum noch wahrgenommen.

Vielleicht atmest du flach.
Vielleicht ziehst du die Schultern hoch.
Vielleicht presst du den Kiefer zusammen.
Vielleicht sitzt du starr da.
Vielleicht spürst du den Boden unter deinen Füßen gar nicht mehr.

Der Körper ist ein wichtiger Weg zurück in die Präsenz. Denn dein Körper ist immer im Jetzt. Er ist nicht gestern. Er ist nicht morgen. Er ist hier.

Wenn du merkst, dass du grübelst, frage:

„Wo bin ich gerade mit meiner Aufmerksamkeit?“

Und dann:

„Was spüre ich in meinem Körper?“

Vielleicht bemerkst du Druck im Brustkorb, Unruhe im Bauch oder Spannung im Nacken. Das musst du nicht sofort ändern. Das Wahrnehmen reicht als erster Schritt.

Präsenz entsteht, wenn du vom gedanklichen Film zurück in deine direkte Erfahrung kommst.

Die wichtigste Übung: Grübeln benennen

Eine einfache und sehr wirksame Achtsamkeitsübung lautet: benennen.

Wenn du merkst, dass dein Kopf kreist, sag innerlich:

„Grübeln.“

Mehr nicht.

Nicht:

„Schon wieder grüble ich, ich kriege es nie hin.“

Nicht:

„Ich darf nicht grübeln.“

Nicht:

„Was stimmt nur mit mir nicht?“

Nur:

„Grübeln.“

Dieses eine Wort schafft Abstand. Du bist nicht mehr vollständig in der Gedankenschleife gefangen. Du bemerkst sie.

Du kannst auch andere Begriffe nutzen:

„Sorgen.“

„Planen.“

„Analysieren.“

„Selbstkritik.“

„Was-wäre-wenn.“

„Vergangenheit.“

„Zukunft.“

Das Benennen ist wie ein kleines Licht im dunklen Raum. Es zeigt dir: Ah, hier bin ich gerade. Ich bin in einer Schleife. Und wenn du weißt, wo du bist, kannst du leichter zurückfinden.

Zurück zum Atem

Der Atem ist einer der einfachsten Wege aus dem Grübeln. Nicht, weil er Gedanken sofort löscht. Sondern weil er dir einen gegenwärtigen Anker gibt.

Probiere es so:

Halte kurz inne.

Atme bewusst ein.

Atme langsam aus.

Spüre beim nächsten Atemzug, wie die Luft kommt und geht.

Wenn Gedanken wieder auftauchen, sag innerlich: „Denken.“

Dann zurück zum Atem.

Vielleicht passiert das zehnmal in einer Minute. Das ist normal. Die Übung besteht nicht darin, beim Atem zu bleiben, ohne abzuschweifen. Die Übung besteht darin, immer wieder zurückzukehren.

Du kannst dir beim Ausatmen sagen:

„Ich komme zurück.“

Oder:

„Jetzt.“

Diese kurzen Worte helfen, deine Aufmerksamkeit zu sammeln.

Die 5-Sinne-Übung gegen Gedankenkreisen

Wenn Grübeln stark ist, reicht Atem allein manchmal nicht. Dann kann eine Sinnesübung helfen, weil sie dich stärker mit der Umgebung verbindet.

Benenne innerlich:

5 Dinge, die du siehst.
4 Dinge, die du spürst.
3 Dinge, die du hörst.
2 Dinge, die du riechst.
1 Sache, die du schmeckst.

Zum Beispiel:

Ich sehe den Tisch, das Fenster, meine Hände, eine Pflanze und das Licht.
Ich spüre meine Füße, den Stuhl, meine Kleidung und meine Hände.
Ich höre ein Auto, ein leises Summen und meinen Atem.
Ich rieche Kaffee und frische Luft.
Ich schmecke noch etwas Tee.

Diese Übung holt dich aus der abstrakten Gedankenschleife in die konkrete Gegenwart. Sie zeigt deinem Kopf: Hier ist ein Raum. Hier ist ein Körper. Hier ist dieser Moment.

Grübeln lebt oft von inneren Bildern. Präsenz wächst durch direkte Wahrnehmung.

Schreibe den Gedanken aus dem Kopf

Manche Gedanken sind zu laut, um sie nur wegzuatmen. Dann hilft Schreiben.

Nimm ein Blatt Papier und schreibe alles auf, was gerade kreist. Ohne Ordnung. Ohne schöne Sätze. Ohne Anspruch.

Danach sortiere mit drei Fragen:

„Was ist ein Fakt?“

„Was ist eine Befürchtung?“

„Was ist ein konkreter nächster Schritt?“

Diese Fragen bringen Klarheit.

Beispiel:

„Morgen wird bestimmt alles schiefgehen.“

Das ist eine Befürchtung.

„Ich habe morgen um 10 Uhr einen Termin.“

Das ist ein Fakt.

„Ich bereite heute drei Stichpunkte vor.“

Das ist ein nächster Schritt.

Grübeln vermischt oft Fakten, Gefühle und Fantasien. Schreiben hilft, sie auseinanderzuhalten. Sobald etwas auf Papier steht, muss dein Kopf es nicht mehr endlos festhalten.

Weniger Grübeln, mehr Präsenz – Frage: Kann ich jetzt etwas tun?

Eine kraftvolle Frage gegen Grübeln lautet:

„Kann ich jetzt etwas tun?“

Wenn ja, tu den nächsten kleinen Schritt.

Nicht alles. Nur den nächsten.

Wenn nein, übe Loslassen für diesen Moment.

Das ist leichter gesagt als getan, ja. Aber diese Unterscheidung ist wichtig.

Wenn du etwas tun kannst, bringt Handlung oft mehr Ruhe als weiteres Denken.

Wenn du nichts tun kannst, wird Grübeln meist nur zur inneren Belastung.

Dann kannst du sagen:

„Im Moment kann ich nichts Konkretes tun. Ich darf zurückkommen.“

Vielleicht schreibst du den Gedanken auf eine Liste für später. Vielleicht entscheidest du, morgen darüber nachzudenken. Vielleicht brauchst du einen Spaziergang, Schlaf oder ein Gespräch.

Nicht jede Frage muss sofort beantwortet werden.

Präsenz entsteht durch kleine Handlungen

Mehr Präsenz im Alltag bedeutet nicht, stundenlang still zu sitzen. Präsenz kann in kleinen alltäglichen Handlungen entstehen.

Wenn du dir die Hände wäschst, spüre das Wasser.

Wenn du gehst, spüre deine Schritte.

Wenn du isst, schmecke die ersten drei Bissen.

Wenn du jemandem zuhörst, lege das Handy weg.

Wenn du atmest, bemerke einen Atemzug bewusst.

Wenn du wartest, schau dich um, statt sofort zum Handy zu greifen.

Diese kleinen Momente trainieren deine Fähigkeit, zurückzukehren. Nicht spektakulär. Aber wirksam.

Präsenz ist wie ein Muskel. Du stärkst ihn nicht nur in großen Meditationen, sondern in vielen kleinen Augenblicken.

Grübeln über Vergangenheit loslassen

Vergangenheitsgrübeln klingt oft so:

„Warum habe ich das gesagt?“

„Was hätte ich anders machen sollen?“

„Warum ist mir das passiert?“

„Hätte ich es verhindern können?“

„Was denkt die andere Person jetzt über mich?“

Natürlich darfst du aus der Vergangenheit lernen. Aber irgendwann wird Lernen zu Selbstbestrafung.

Eine achtsame Frage lautet:

„Was kann ich daraus mitnehmen – und was darf ich für jetzt ablegen?“

Vielleicht gibt es eine Erkenntnis. Eine Entschuldigung. Eine neue Entscheidung. Einen klareren Umgang für das nächste Mal.

Wenn du den Lernpunkt gefunden hast, darf die Schleife enden.

Du kannst dir sagen:

„Ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Ich kann nur meinen nächsten Schritt wählen.“

Das ist kein Wegdrücken. Es ist eine freundliche Grenze gegenüber dem endlosen inneren Wiederholen.

Grübeln über Zukunft beruhigen

Zukunftsgrübeln lebt von „Was, wenn…?“

Was, wenn es schiefgeht?
Was, wenn ich nicht gut genug bin?
Was, wenn ich enttäuscht werde?
Was, wenn ich etwas vergesse?
Was, wenn alles anders kommt?

Manchmal hilft Vorbereitung. Aber endloses Vorausdenken macht selten sicherer.

Achtsamkeit bringt dich zurück zur Frage:

„Was ist jetzt wirklich da?“

Jetzt sitzt du vielleicht auf einem Stuhl. Jetzt atmest du. Jetzt liest du diese Zeilen. Jetzt ist nicht die gesamte Zukunft auf einmal zu lösen.

Dann frage:

„Was ist der nächste kleine Schritt, der mich unterstützt?“

Vielleicht eine Notiz. Ein Plan. Ein Gespräch. Eine Pause. Eine konkrete Handlung.

Zukunft braucht nicht endlose Sorgen. Zukunft braucht oft nur den nächsten klaren Schritt im Jetzt.

Die Rolle von Selbstmitgefühl

Grübeln wird schlimmer, wenn du dich dafür beschimpfst.

„Warum denke ich schon wieder so viel?“

„Ich bin einfach kompliziert.“

„Ich müsste das längst im Griff haben.“

„Andere sind viel entspannter.“

Solche Sätze erzeugen neuen Stress. Dann grübelst du nicht nur über das ursprüngliche Thema, sondern auch darüber, dass du grübelst.

Selbstmitgefühl unterbricht diesen zweiten Druck.

Sag dir:

„Mein Kopf versucht gerade, Sicherheit zu finden.“

„Das ist anstrengend.“

„Ich darf freundlich zurückkehren.“

„Ein Gedanke nach dem anderen.“

Freundlichkeit bedeutet nicht, dass du im Grübeln bleiben musst. Sie bedeutet, dass du dich nicht zusätzlich verletzt, während du herausfinden möchtest.

Ein liebevoller Umgang mit dir selbst macht Rückkehr leichter.

Die Präsenz-Frage: Was ist jetzt lebendig?

Wenn du aus dem Grübeln zurückkommen möchtest, hilft eine ungewöhnliche Frage:

„Was ist jetzt lebendig?“

Damit ist gemeint: Was ist in diesem Moment wirklich spürbar?

Der Atem.
Der Körper.
Ein Geräusch.
Ein Licht.
Ein Gefühl.
Ein Bedürfnis.
Eine Bewegung.
Ein Geschmack.
Ein Kontakt.

Diese Frage holt dich aus abstrakten Gedankenkonstruktionen in das direkte Erleben.

Vielleicht merkst du:

„Ich bin müde.“

„Ich brauche Wasser.“

„Ich fühle Traurigkeit.“

„Ich höre Regen.“

„Ich spüre meine Hände.“

Das ist Präsenz. Nicht immer angenehm. Aber echt.

Präsenz in Gesprächen

Grübeln passiert nicht nur allein. Auch in Gesprächen kannst du innerlich abschweifen.

Du denkst darüber nach, was du gleich sagen willst.
Du interpretierst den Gesichtsausdruck des anderen.
Du fragst dich, ob du richtig wirkst.
Du bist innerlich bei alten Erfahrungen.
Du hörst nur halb zu.

Achtsamkeit in Gesprächen bedeutet, immer wieder zurückzukehren.

Zum Blickkontakt.

Zur Stimme der anderen Person.

Zu deinen Füßen auf dem Boden.

Zum Atem.

Zur Frage:

„Was wird gerade wirklich gesagt?“

Du musst nicht perfekt präsent sein. Aber wenn du bemerkst, dass du innerlich abgedriftet bist, komm zurück. Gespräche werden tiefer, wenn du nicht nur mit deinen Gedanken anwesend bist, sondern mit echter Aufmerksamkeit.

Präsenz bei der Arbeit

Auch im Arbeitsalltag kann Grübeln viel Energie rauben. Du denkst an alle Aufgaben gleichzeitig, sorgst dich über Ergebnisse oder springst gedanklich zwischen Projekten.

Hier hilft die Frage:

„Was ist jetzt meine eine Aufgabe?“

Nicht fünf. Nicht alle. Eine.

Dann richte deine Aufmerksamkeit auf den nächsten konkreten Schritt.

Datei öffnen.
Absatz schreiben.
Anruf vorbereiten.
Liste sortieren.
Mail beantworten.
Unterlage suchen.

Präsenz bei der Arbeit bedeutet nicht, keine Pläne zu haben. Es bedeutet, nicht alles gleichzeitig im Kopf zu tragen.

Je klarer der nächste Schritt ist, desto weniger Raum bleibt für diffuses Grübeln.

Präsenz am Abend

Am Abend wird Grübeln oft lauter, weil der Tag ruhiger wird. Was tagsüber durch Beschäftigung überdeckt war, taucht plötzlich auf.

Eine achtsame Abendroutine kann helfen:

Schreibe offene Gedanken auf.

Notiere den nächsten Schritt für morgen.

Lege das Handy weg.

Atme ruhig.

Spüre deinen Körper im Bett.

Sag innerlich:

„Für heute darf es ruhen.“

Wenn Gedanken wiederkommen, musst du nicht kämpfen. Du kannst sie benennen:

„Planen.“

„Sorgen.“

„Erinnern.“

Dann zurück zum Körper.

Der Abend braucht kein perfektes Kopf-Aus. Er braucht eine sanfte Grenze.

Wenn Grübeln sehr hartnäckig ist

Manche Grübelschleifen sind stark. Besonders, wenn sie mit Angst, alten Verletzungen oder großem Druck verbunden sind. Dann reicht eine kleine Übung manchmal nicht sofort.

Sei geduldig mit dir.

Du kannst Grübeln nicht immer per Knopfdruck stoppen. Aber du kannst lernen, anders darauf zu reagieren.

Statt dich hineinzuziehen, bemerkst du es früher.

Statt dich zu beschimpfen, begleitest du dich freundlicher.

Statt alles im Kopf zu halten, schreibst du es auf.

Statt endlos zu analysieren, wählst du einen nächsten Schritt.

Statt im Bett weiterzudenken, kommst du zum Körper zurück.

Wenn Grübeln dich dauerhaft stark belastet oder deinen Alltag sehr einschränkt, kann Unterstützung von außen hilfreich sein. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Schritt in Richtung Selbstfürsorge.

Eine Übung: Der Grübel-Stopp mit Achtsamkeit

Diese Übung kannst du nutzen, wenn du merkst, dass dein Kopf kreist.

1. Bemerken

Sag innerlich: „Ich grüble gerade.“

2. Benennen

Welche Art von Grübeln ist es?

Vergangenheit? Zukunft? Selbstkritik? Sorge? Vergleich?

3. Körper spüren

Spüre deine Füße auf dem Boden oder deine Hände.

4. Atmen

Nimm drei bewusste Atemzüge.

5. Prüfen

Frag: „Kann ich jetzt etwas Konkretes tun?“

6. Handeln oder loslassen

Wenn ja: nächster kleiner Schritt.

Wenn nein: Gedanken notieren und zurück zum Moment.

Diese Übung ist kein harter Stopp, sondern eine sanfte Umlenkung.

Eine Übung: Dein Präsenz-Anker

Wähle einen Anker für deinen Alltag. Etwas, zu dem du immer wieder zurückkehrst.

Mögliche Anker:

Atem

Füße

Hände

Geräusche

Wasser trinken

Blick aus dem Fenster

erster Bissen

Türgriff

Hand aufs Herz

Immer wenn du merkst, dass du grübelst, kehre zu diesem Anker zurück.

Zum Beispiel:

„Ich spüre meine Füße.“

Oder:

„Ich nehme einen Atemzug wahr.“

Oder:

„Ich höre drei Geräusche.“

Der Anker ist kein Zaubertrick. Er ist ein Wegweiser zurück ins Jetzt.

Eine Übung: Dein Grübel-Kompass

Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe oben hin:

„Weniger Grübeln, mehr Präsenz“

Beantworte dann diese Fragen:

Worüber grüble ich am häufigsten?

Vergangenheit, Zukunft, Beziehungen, Arbeit, Selbstwert, Fehler?

Wann grüble ich besonders viel?

Abends, morgens, nach Gesprächen, bei Stress, in Pausen?

Woran merke ich Grübeln im Körper?

Kiefer, Bauch, Brust, Kopf, Schultern, Atem?

Welche Frage hilft mir aus der Schleife?

Zum Beispiel: „Kann ich jetzt etwas tun?“

Was ist mein Präsenz-Anker?

Atem, Füße, Sinne, Schreiben, Bewegung?

Was ist ein freundlicher Satz für mich?

Zum Beispiel: „Ich darf zurückkommen.“

Dieser Kompass macht dein Muster sichtbarer. Und je sichtbarer es wird, desto weniger steuert es dich unbemerkt.

Grübeln und Achtsamkeit – Oft gestellte Fragen dazu

Wie hilft Achtsamkeit gegen Grübeln?

Achtsamkeit hilft dir, Grübeln früher zu bemerken, Gedanken zu benennen und deine Aufmerksamkeit bewusst zurück in den Moment zu lenken – zum Atem, Körper oder zu deinen Sinnen.

Wie erkenne ich, ob ich grüble oder sinnvoll nachdenke?

Sinnvolles Nachdenken führt meist zu Klarheit oder einem nächsten Schritt. Grübeln dreht sich im Kreis und hinterlässt dich oft angespannter, unsicherer oder erschöpfter.

Was ist die einfachste Übung gegen Grübeln?

Benenne innerlich „Grübeln“, nimm drei bewusste Atemzüge und spüre deine Füße auf dem Boden. Dann frage: „Kann ich jetzt etwas Konkretes tun?“

Warum grüble ich besonders abends?

Abends wird es ruhiger, und der Kopf verarbeitet offene Themen. Eine kurze Abendroutine mit Aufschreiben, Atem und Körperwahrnehmung kann helfen, den Tag bewusster abzuschließen.

Kann ich Grübeln komplett abstellen?

Nicht immer und nicht sofort. Ziel ist nicht Gedankenfreiheit, sondern ein bewussterer Umgang. Du lernst, Grübeln früher zu erkennen und immer wieder in die Präsenz zurückzukehren.

Die Schlussfolgerung: Präsenz beginnt mit dem Moment, in dem du zurückkehrst

Weniger Grübeln bedeutet nicht, dass dein Kopf nie wieder laut wird. Gedanken werden kommen. Sorgen auch. Erinnerungen, Pläne, Bewertungen und alte Geschichten ebenfalls. Das ist menschlich.

Doch du musst nicht jedem Gedanken folgen.

Du musst nicht jede Sorge zu Ende denken.

Du musst nicht jede innere Geschichte glauben.

Du darfst bemerken:

„Ich grüble gerade.“

Und dann zurückkehren.

Zum Atem.

Zu deinen Füßen.

Zu einem Geräusch im Raum.

Zu einem Schluck Wasser.

Zu diesem einen konkreten Schritt.

Mehr Präsenz entsteht nicht, weil du perfekt im Jetzt bleibst. Sie entsteht, weil du immer wieder zurückkommst, wenn du dich verloren hast.

Vielleicht passiert das hundertmal am Tag. Das ist kein Scheitern. Das ist Übung.

Jeder bewusste Moment ist ein kleiner Ausstieg aus der Schleife. Jeder Atemzug ist eine Tür zurück. Jeder Blick auf das, was wirklich da ist, schwächt die Macht der Gedanken ein kleines bisschen.

Du musst dein Grübeln nicht bekämpfen. Du darfst es erkennen. Du darfst es freundlich unterbrechen. Du darfst deinem Kopf danken, dass er Sicherheit sucht – und trotzdem entscheiden, für jetzt wieder hier zu sein.

Hier, in diesem Körper.

Hier, in diesem Atemzug.

Hier, in diesem Leben, das nicht erst beginnt, wenn alle Gedanken gelöst sind.

Vielleicht ist genau das Achtsamkeit im Alltag:

Nicht nie abzuschweifen.

Sondern immer wieder heimzukehren.

In den Moment.

Zu dir.

Und zu der leisen Wahrheit:

Jetzt ist genug gedacht. Jetzt darf ich wieder leben.

Zu sehen ist das Autorenbild von Gerlinde Weidinger

Über die Autorin: Gerlinde Weidinger (Linda)

Gerlinde Weidinger, genannt Linda, schreibt über Selbstliebe, Wohlbefinden, persönliches Wachstum, Kochen und Reisen. Mit einer warmen, weiblichen und alltagsnahen Art verbindet sie inspirierende Gedanken mit praktischen Impulsen für mehr innere Balance, bewussten Genuss und kleine Auszeiten, die Körper, Herz und Seele guttun. Mehr über Gerlinde Weidinger….